Caritas

Auf Augenhöhe

Das Wort Caritas stammt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt Hochachtung, Nächstenliebe oder Wohltätigkeit. Dass in dieser Wortbedeutung der Gedanke des liebevollen Gebens und Helfens mit dem Motiv der Hochachtung verknüpft ist, ist kein Zufall.

„Wir begegnen den Menschen auf Augenhöhe“, das sagen die engagierten Frauen, die wir für diesen Pfarrbrief in der Kleiderkammer und bei der Tafel gesprochen haben. „Auf Augenhöhe“, das bedeutet Achtung vor der Würde eines jeden Menschen zu haben, das bedeutet Hilfe, die bedingungslos ist, das bedeutet da sein und teilen. Auch in einer reichen Stadt wie Münster und auch in der City gibt es viele bedürftige Menschen. Oft bleiben sie unsichtbar. Es gibt viele Möglichkeiten, in und mit einer Gemeinde Gutes zu tun.

Pfarrer Dr. Winner beschreibt in seinem Artikel, warum es für Christinnen und Christen einen ganz besonderen Auftrag zur Caritas gibt. Heike Bedding vom Caritas-Ausschuss der Gemeinde spricht über neue Herausforderungen, wenn sich Strukturen und auch das Ehrenamt verändern. In der Kleiderkammer und auch der wöchentlichen Lebensmittel-Ausgabe der MünsterTafel geht es um ganz praktische Hilfe – und zugleich um viel mehr als Kleidung und Essen.

Dr. Ludger Winner, Pfarrer em.

Caritas – ein Grunddienst der Kirche

Beim öffentlichen Auftreten Jesu waren neben seiner Predigt von Anfang an seine heilbringenden Wunder an den Kranken und Leidenden ein wesentlicher Bestandteil seines Wirkens. Ja, Jesus billigt seinen Werken sogar eine hervorragende Überzeugungskraft zu: „Glaubt wenigstens den Werken, wenn ihr mir nicht glaubt.“ (Joh 10,38).

Das gilt nach wie vor auch für die Dienste der Kirche. Die Kraft ihrer Verkündigung muss sich in ihren Taten, die auf die Menschen eingehen und ihre Not wenden helfen, erweisen. Aber auch für jeden von uns gilt: Glaubwürdig, überzeugend sind wir nur dann, wenn unseren (großen) Worten, die wir so leicht in den Mund nehmen, auch Taten folgen. Dabei sollen wir Christen das Wort des Herrn bedenken und uns daran messen lassen: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan… Was ihr ihm nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan“ (Mt 25).

Der Dienst der Caritas ist darum vom Anfang der Kirche an eine unverzichtbare Lebensäußerung unseres Christseins. Und wenn heute die Glaubwürdigkeit der Kirche angefragt ist, so kann sie diese neu gewinnen, wenn sie das Gebot des Evangeliums beachtet, das uns zur Nächstenliebe ruft. Papst Franziskus findet darum in unseren Tagen auch höchsten Respekt, weil er die Option für die Armen – in zeichenhaften Gesten, mit bewegenden Worten und mit seinem gelebten Beispiel – so gewinnend vertritt.
Wir dürfen dankbar sein, dass in unserer Pfarrgemeinde St. Lamberti seit Jahren und ohne äußeres Aufheben die Caritas als Grunddienst der Kirche eine immer neue Beachtung findet, ermöglicht durch viele Ehrenamtliche. Dabei können wir etliche Aktivitäten aufzählen:

  • Die wöchentliche „MünsterTafel“ im Pfarrheim St. Martini, die aus dem Alltag und der Verpflegung zahlreicher Bedürftiger nicht wegzudenken ist;
  • das Angebot der Kleiderkammer in eigenen Räumen unseres Pfarrheims;
  • die Unterstützung der Bischof-Hermann-Stiftung mit ihrem Einsatz für Wohnungslose an der Bahnhofstraße;
  • die Betreuung Bedürftiger im „Treffpunkt Loerstraße“;
  • die kleinen Hilfen durch die Gewährung eines „Brötchengutscheins“;
  • die Begleitung einzelner bedürftiger Familien und Alleinstehender;
  • die Ermöglichung einer pfarreieigenen Wohnung für eine christliche, syrische Flüchtlingsfamilie;
  • die Mitwirkung beim Flüchtlingsprojektan der Schaumburgstraße;
  • die Unterstützung von Weihnachtsaktionen im Gefängnis an der Gartenstraße oder bei der Durchführung der „Offenen Weihnachtsfeiern“;
  • Zuwendungen, die ausländischen Studenten, Schwangeren und Alleinerziehenden zugutekommen;
  • Spenden für die Internationale Katastrophenhilfe der Caritas und Hilfsprojekte in Albanien, in Indien (Dienerinnen der Armen), in Tansania, Brasilien, auf den Philippinen und in Peru;
  • Besuchsdienste in Krankenhäusern und Altenheimen oder anlässlich von Geburtstagen, an die sonst kaum gedacht würde;
  • Unterstützung von Therapiemaßnahmen in außergewöhnlichen Situationen;
  • Hilfen in Grenzsituationen vielfältiger Art usw.

In der Regel belaufen sich die Ausgaben auf ca. 30.000 Euro im Jahr. Die Mittel werden unserer Arbeit auf unterschiedliche Weise ermöglicht: durch die Erträge unserer Caritas-Sammlungen im Sommer und zu Weihnachten; durch die Caritas-Kollekte, die wir einmal jährlich durchführen; (bisher) durch die Pachterträge aus dem „Lichtermarkt“ vor Weihnachten; durch die Spenden aus den Opferstöcken in der Lamberti- und in der Ludgeri-Kirche; durch zum Teil sehr großzügige Zuwendungen einzelner Spender usw.

Hinzu kommt die jährliche Vergabe von Mitteln, über die der Kirchenvorstand – vor allem zur Unterstützung der „Dienerinnen der Armen“ in Indien, mit denen uns eine bereits seit Jahrzehnten währende Partnerschaft verbindet, – verfügen kann.

Allen Helferinnen und Helfern aus dem Caritas-Ausschuss unseres Pfarreirates und den zahlreichen Ungenannten, die „von Haus zu Haus“ unmittelbar christliche Nächstenliebe praktizieren, insbesondere aber den vielen Wohltätern, die immer wieder ihr Herz angesichts so mancher Nöte öffnen, sei an dieser Stelle nachdrücklich gedankt. Sie machen unsere Pfarrei zu einer „guten Adresse“ und verhelfen unserer Pfarrei zu einem Gesicht, das der Glaubwürdigkeit unseres christlichen Zeugnisses dient.